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11 Thesen – Digitale Patientenprogramme treiben die Digitalisierung des Gesundheitssystems und der Pharmabranche

von Patrick Wassel

1. Der digitale Fortschritt wird das Gesundheitswesen in hohem Tempo verändern. Die Pharmabranche ist auf dem Sprung.

Die Möglichkeiten der Digitalisierung sind vergleichbar mit der Nutzbarmachung von Elektrizität im 19. Jahrhundert. Pharmaunternehmen werden vom aufgeklärten Patienten, und innovativen Versorgungspartner ermutigt, sich zu bewegen. Parallel haben sie aber auch die Möglichkeiten, interne Prozesse zu optimieren. Die Digitalisierung wird die Forschung und Entwicklung vorantreiben, die Effizienz und Benutzerfreundlichkeit klinischer Studien verbessern und das Verständnis aller Versorger dafür fördern, welche Therapien sich für wen am besten eignen und wie man diese Therapien digital anreichern kann.

2. Digitalisierung wirkt als Katalysator für „Beyond-the-Pill-Strategien“ in der Pharmabranche.

Die wirtschaftliche Grundlage der Pharmaindustrie wandelt sich. Patentverfall, wachsende regulatorische Anforderungen, die Erosion der Gewinnmargen sowie steigende Kosten sind gegebene Herausforderungen. Hinzu kommen neue Wettbewerber, zu denen auch finanziell bestens ausgestattete Technologiekonzerne wie Google, Samsung, Facebook, IBM und Apple zählen. Die Pharmabranche wird sich wandeln müssen, um zu überleben – Beyond-the-Pill-Strategien erleben eine digitale Renaissance.

3. Digitale Patientenprogramme werden Brutkästen für integrierte Versorgungsprojekte.

Der digitale Gesundheitsmarkt ist noch lange nicht aufgeteilt. Die Pharmabranche ist bisher eher in der hinteren Startreihe. Kooperationen mit Versorgungspartnern wie Kassen, Kliniken, aber auch Patientenorganisation, Startups und Tech-Unternehmen ermöglichen gemeinsamen Erfahrungsaustausch und werden die Lernkurve von Pharmaunternehmen deutlich schneller ansteigen lassen. Die Digitalisierung wirkt als Brückenbauer für integrierte Versorgungsprojekte und Treiber der sektorenübergreifenden, lange notwendigen Transformation des Gesundheitsmarktes.

4. Digitale Patientenprogramme rücken den Patienten mit seinen Bedürfnissen ins Sichtfeld der Pharmabranche.

Der emanzipierte Patient entscheidet, wer was mit seinen Daten machen darf. Kontakte sind die Voraussetzung für Daten. Patienten werden in Zukunft zunehmend digitale Kontakte mit Ärzten und Kassen pflegen. Die Pharmabranche hat den Patientenkontakt lange ignoriert, um sich auf andere Zielgruppen zu konzentrieren – ohne Kontakt, keine Daten. Digitale Patientenprogramme ermöglichen direkten Patientenkontakt und werden in Zukunft verstärkt als „Patienten-CRM“ genutzt.

5. Identitätsfindung 2.0 – Pharmaunternehmen werden ihre Position in der digitalen Welt neu bestimmen, digitale Patientenprogramme helfen dabei.

„Freude am Fahren“ – In einer von selbstfahrenden Automobilen bestimmten Zukunft ist ein solcher Claim, eine solche Identität anachronistisch und gefährlich, weil rückwärtsgewandt. Was macht uns in Zukunft einzigartig gegenüber Samsung, Google und Co? Was ist unser Wertversprechen gegenüber Patienten, Ärzten und Kassen? Jedes einzelne Pharmaunternehmen wird sich fragen, wer es in Zukunft sein möchte und wenn ja, wie viele. Was bietet das digitale Patientenprogramm, wie fühlt es sich an, welchen Einfluss hat es auf die interne Transformation – Digitale Patientenprogramme beweisen in Zukunft digitale Identitäten von Pharmaunternehmen und erzeugen jetzt Erkenntnisse, diese Identitäten zu schärfen.

6. Patentschutz war gestern – Plattformdenke, User Experience und Reichweite sind die strategischen Wettbewerbsvorteile für Pharmaunternehmen in der digitalen Welt.

Forschung und entsprechender Patentschutz haben der Pharmabranche in der analogen Welt lange Zeit planbare, profitable Erfolge beschert. In der digitalen Welt müssen andere Hürden aufgebaut werden, um den Wettbewerb abzuhalten und die eigene Position nachhaltig zu etablieren. Digitale Produkte, wie digitale Patientenprogramme leben davon, dass viele Menschen sie kennen (Reichweite) und regelmäßig nutzen weil sie Ihnen einen Wert stiften (User Experience). Pharmaunternehmen werden sich in der digitalen Welt neue Wettbewerbsvorteile erarbeiten müssen in Zukunft.

7. Digitale Patientenprogramme wirken für Pharmaunternehmen als transformationale Produkte auf dem Weg zur Digitalisierung.

Systeme verändern sich, Branchen verändern sich, die Digitalisierung wirkt als Turbo. Die interne Kultur ist der Nährboden der Veränderung und wird entscheidend sein für die zukünftige Wandelbarkeit von Pharmaunternehmen. Kultur folgt keiner Strategie sondern basiert auf Erfahrungen von Menschen und Organisationen. Digitale Patientenprogramme schaffen Erfahrungen, bisher noch im Abteilungssilo, zukünftig immer mehr auf Gesamtorganisationsebene.

8. Digitale Patientenprogramme läuten die Abkehr von der reinen Senderorientierung ein.

Die eindimensionale Verbreitung von Botschaften ist in vielen Branchen bereits lange vorbei. Auch für Pharmaunternehmen wird der Nutzen der Kommunikation zunehmend in den Vordergrund rücken. Auch gegenüber der Ärzteschaft sind digitale Patientenprogramme eine Möglichkeit, dem Arzt einen Nutzen zukommen zu lassen. Ob Zeitersparnis in der Sprechstunde, mehr Glaubhaftigkeit für die Behandlung oder zunehmend auch schlankere, digitalisierte Prozesse. Pharmaunternehmen werden zukünftig digitale Patientenprogramme häufiger gemeinsam mit Ärzten für Ärzte entwickeln und bieten damit einen neuen Mehrwert über das traditionelle Konferenzgeschäft hinaus.

9. Digitale Patientenprogramm werden echte Medizinprodukte – evidenzbasiert und qualitätsgeprüft

Pharmaunternehmen sind lange Forschungszyklen, Studien und Zulassungsverfahren gewohnt. Digitale Patientenprogramme werden in Zukunft verstärkt auf ihre Wirkungsmechanismen und -einflüsse auf die Lebensqualität der Patienten hin untersucht. Diese Ergebnisse werden entsprechend zur Differenzierung gegenüber Patienten, Ärzten und Kassen genutzt.

10. Digitale Patientenprogramme machen das Gesundheitssystem effizienter.

Die Gesundheit des Einzelnen wird stark dadurch gefördert, dass er an der Therapie selber mitwirkt. Gleichzeitig entlastet diese Selbstwirksamkeit des Patienten das System. Arztbesuch und Apothekenumschau waren lange die monatlichen Kontaktpunkte des Patienten mit der medizinischen Obrigkeit. Digitale Patientenprogramme stehen 24/7 zur Verfügung und sie werden zukünftig mehr können als informieren, sie werden Sicherheit geben, motivieren, Erfolge aufzeigen und begleiten – Förderung von Selbstwirksamkeit.

11. Adhärenz hoch 2 – Digitale Patientenprogramme müssen Gründe zur Nutzung bieten.

Digitale Patientenprogramme sollen die Therapietreue steigern. Das gelingt Ihnen nur, wenn der Nutzer sie auch nutzt. Klingt einfach, ist es aber nicht. In naher Zukunft werden digitale Patientenprogramme von Pharmaunternehmen sich stärker an Google, Facebook etc. orientieren als an ihren Wettbewerbern im Markt. Zusätzlich zu Packaging, Beipackzettel und Tablettenform in der offline Welt werden mobile Nutzbarkeit, Spaß auf der Plattform und dialogische Elemente zukünftig zum Adhärenz-Standard für Pharmaunternehmen in der digitalen Welt.