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Verbesserte Versorgung bedeutet Erhöhung der Selbstwirksamkeit von Patienten

von Dr. Dirk Lümkemann

Die renommierte Fachzeitschrift Lancet veröffentlichte kürzlich eine weltweite Forschungsarbeit von 644 Wissenschaftlern: Global, regional, and national comparative risk assessment of 79 behavioural, environmental and occupational, and metabolic risks or clusters of risks, 1990–2015: a systematic analysis for the Global Burden of Disease Study 2015. Ermittelt wurden die größten Gesundheitsgefahren in 198 Ländern. Für Deutschland sind die Top 6:1. Hoher Blutdruck, 2. Rauchen, 3. Hoher Body-Mass-Index, 4. Hohe Blutzuckerwerte, 5. Hohe Blutfettwerte, 6. Riskanter Alkoholkonsum

Damit werden andere Studien, wie z.B. die der Weltgesundheitsorganisation aus dem Jahr 2015, in ihren Ergebnissen bestätigt.

Gesundheitsverhalten hat den stärksten Einfluss

Das Besondere an dieser Studie ist, dass sie nicht nur verhaltensbezogene Gesundheitsrisiken und deren Bedeutung für die Gesundheit untersucht hat, sondern gleichzeitig Einflüsse aus der Umwelt und die verschiedenen Gefahrenquellen miteinander verglichen hat. Die Studie kommt bei ihrer umfangreichen Datenanalyse zu dem Schluss, dass das Gesundheitsverhalten in den westlichen Ländern den stärksten Einfluss auf die Gesundheit hat.

Ärzte zu wenig verhaltenspsychologisch

Wenn Ärzte ihre Patienten zu besserem Gesundheitsverhalten anregen wollen, werden in den meisten Fällen Verhaltensempfehlungen gegeben: Laufen, Krafttraining, mehr Obst und Gemüse oder Entspannungsverfahren. Dabei nicht berücksichtigt ist die Tatsache, dass Patienten nur in seltenen Fällen über solche Empfehlungen oder entsprechende Angebote motiviert werden, ihr Verhalten zu verbessern. Häufig werden dabei diejenigen erreicht, die ohnehin aktiv sind und die Einladung des Arztes bzw. der Krankenkasse gerne mitnehmen. Die Unmotivierten sowie diejenigen, für die das Angebot nicht passt, bleiben unerreicht. Also was tun, um Veränderung bei Patienten in der Breite zu erzielen?

Individuelle Hilfe zur Selbsthilfe benötigt

Die Veränderung von Gesundheitsverhalten ist eine höchst individuelle Angelegenheit. Jeder ist mal mehr, mal weniger motiviert, jeder hat persönliche Ziele und unterschiedliche Herausforderung, sich trotz Schweinehunden und anderen Hindernissen gesundheitsbewusst zu verhalten. Wirksam ist daher die individuelle Unterstützung von Patienten dabei, deren Motivation zu steigern und gesündere Gewohnheiten zu bilden. Mit dem richtigen Konzept ist dies möglich, so die Erkenntnisse aus Wissenschaft und Praxis. Digitale Patientenprogramme können dieses Konzept aufgreifen und Arzt und Patient damit sinnvoll unterstützten.

Pharmaunternehmen sind gefordert

Die Ausstattung der Patienten mit Gesundheitskompetenz (Wissen aneignen und in Verhalten umsetzen können) auf dem digitalen Wege ist aus meiner Sicht als Sportmediziner und Experte für betriebliches Gesundheitsmanagement der wirksamste Weg zur ökonomisch sinnvollen Verbesserung der Versorgung. In digitalen Patientenprogrammen sehe ich für Pharmaunternehmen eine Riesenchance ihren Beitrag zur Versorgung zu schärfen, indem sie den einzelnen Patienten mit seiner Gesundheit in den Mittelpunkt rücken und diese nachhaltig verbessern. Kassen und Ärzte werden es der Industrie danken.